Über Webdesign und Templates

tempa wrote this 16:00:

Moleskine im Gebrauch (Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/bap824/105399412/)Durch Andreas Kalt wurde ich auf den Artikel von Jeffrey Zeldman auf A List apart zum Thema Webdesign ‚Understanding Web Design‚ aufmerksam gemacht. Andreas Kalt hebt besonders die Beschreibung des Idealzustandes von Webdesign hervor:

Web design is the creation of digital environments that facilitate and encourage human activity; reflect or adapt to individual voices and content; and change gracefully over time while always retaining their identity.

„Webdesign ist,“ heißt es in diesem Zitat von Jeffrey Zeldman, „die Kreation eines digitalen Lebensraum, das menschliche Interaktion ermöglicht und fördert, das die Stimmen und Inhalte von Individuen reflektiert und adaptiert und das sich den Moden, dem Fluß der Veränderungen über die Zeit anmutig anpasst, doch dabei stets eine eigene Identität bewahrt.“ Dies ist zweifelsohne eine schöne Umschreibung für Webdesign. Es ist eine Haltung, die auch ich teile. Aber wenn Jeffrey Zeldman Kritik an der Webdesign-Geschäftswelt übt und Flasher und druckorientierte Grafikdesigner, die sich ins Webdesign verirrten auf’s Korn nimmt, da vergißt er, dass ich und Feldman einer Avantgarde angehören, die das Netz anders/intensiver nutzt als die Mehrheit. Die vielbeschworene Aktivität findet nur bedingt statt. Weder wurden von den Entwicklern CAD-Systeme entwickelt, die eine netzweite Kooperation ermöglichen und Ingenieure in die Web2.0-Welt integrieren, noch ist Onlineshopping alla Mymüsli allzuweit verbreitet.

Websites enthalten überwiegend leblose Profile und ob diese nun zeitgemäßes tabellenloses Design verwendet oder auf dem zugeknüpften Flash oder ein quelltext-überfrachtetes, verschachteltes Tabellendesign verwendet, ist unerheblich. Diese Seiten gehen unter in dem billionenfachen Angebot der Netzseiten. Suchmaschinen übersehen diese Seiten, gleichgültig welche Technik verwendet wird. Die Anbieter sind zufrieden, wenn hier und da nach klassischer Akquise der interessent das Firmenprofil ansurft und überfliegt. Ein Trost für uns Idealisten und Netzaktivisten, mehr und mehr Nutzer des Internets entdecken unsere Welt und der Idealzustand von Webdesign gewinnt mehr und mehr Relevanz.

Was Jeffrey Zeldmans Anmerkungen zum Template Minima anbelangt, so teile ich seine Meinung nicht. Nicht das Design von Douglas Bowman verleiht den Beispielen die Individualität, sondern die Inhalte. Das Design hält sich vornehm zurück und gibt sich erfreulich neutral.

Template Minima (Designed by Douglas Bowman)
Weblog-Template-Design Minima von Douglas Bowman

Minima ordnet die Nutzer einer bestimmten Gruppe zu, gibt den Maketeers einen Anhaltspunkt welchem Kundentyp diese Nutzer zugehören. So wie Moleskinnutzer einer anderen Gruppe angehören als Nutzer die im nächsten Kaufhaus ein Ringbuch kaufen und darin ihre Notizen und Skizzen unterbringen. Individualität existiert nur dann, wenn das Template solange modifiziert wird, bis dessen hervorstechenden Designmerkmale derart verblasst sind, dass die Zuordnung zur Kreation des ursprünglichen Designers verloren geht und die Kreation dessen, der das Template überarbeitet ganz im vordergrund steht.

Bildquellen:
Moleskine und Kaffeetasse von Flickr-Userin ‚Lost in Scotland‘ (Download),
– Screenshot minima-test auf blogspot.com

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