These: Der Gemüsehändler auf dem Dorf braucht keine Website

tempa wrote this 12:00:

Ich bin geneigt, dieser These zuzustimmen. Eine Website bei der der Gemüsehändler seine Waren listet und seine Adresse kund gibt, ist unnötig wie ein Kropf. Er wird seinen Laden in der Nähe der Ortsmitte haben oder sichtbar von den Durchgangsstraßen auf seinen Laden hinweisen. Seine Kundschaft besteht aus Äkofreaks, die nie im Supermarkt ihr Gemüse einkaufen würden (auch wenn der kleine Gemüsehändler und der Supermarkt die Frischware vom selben Großmarkt geliefert bekommen … ) und von den Senioren des Ortes, die kein Fahrzeug mehr führen können und von all jenen, die den Plausch genießen ohnehin gerade beim Bäcker waren und nun vom Schälchen Erdbeeren verführt werden. Keiner dieser Kunden würde auf eine Website schauen, welches Saisongemüse aktuell im Laden zu haben ist.

Das traditionelle Alltagsgeschäft des Gemüsehändlers profitiert nicht von einer Website. Das heißt aber nicht, dass nicht ein Gemüsehändler nicht eine Website gewinnbringend in seine Geschäftsprozesse integrieren kann. MIt Template-System und ein zwei Plugins ist die Investition zur Ertragschance in einem absolute genialen Verhältnis, schließlich verliert der Gemüsehändler fast 70-80% seiner Kundschaft an den Supermarkt. Warum also nicht versuchen, einen Teil dieser Kundschaft zurückzuerobern? Ich hole mir hierzu eine Geschichte aus England aus meiner Au Pair Zeit zu Hilfe.

Es Weihnachtet allerorten

Die Einkaufswagen bei Tesko sind voller als üblich, es dudelt aus allen Lautsprechern Bing Crosbys White Christmas und noch einer hat sich seit Wochen auf das kommende Weihnachten eingestellt. Der kleine Gemüsehändler mit dem kleinen Gemischtwarensortiment in Melbourne einem Dorf in Mittelengland nicht weit von Derby und Nottingham. Immer wenn Kunden in seinen Laden kommen, informiert ein Schild darüber, dass er auch in diesem Jahr den Weihnachtskarten-Service anbietet. Er und seine Mitarbeiter haben eine Liste und einen Stift parat und zur üblichen Frage „What can I do for you, me duck?“ fragt er auch, was er den Leckeres zu Weihnachten ins Haus liefern dürfe. Die Leute am Ort kennen sich und an Heilig Abend (24. Dezember) wird er sich mit allen anderen Menschen bei einem aus dem Dorf zum Weihnachtslieder singen einfinden, gleich nachdem er die Kisten ausgeliefert hat. In jenem Jahr waren einige deutsche Lieder Weihnachtslieder auf dem Programm. Amüsiert war man über „Oh Tannenbaum“, dessen Melodie in England eher mit der Gewerkschaft als mit Weihnachten assoziiert wird. Es ist eine fröhliche Runde, Ofen und Microwelle kommen nicht zur Ruhe, während die Mincepies und der Punsch serviert werden. In der Voratskammer ist auch die Kiste die der Gemüsehändler am Nachmittag geliefert hatte. Die Karten der Nachbarn und Freunde hängen schon an den Kordeln in der Guten Stube und zeugen von der Beliebtheit meiner Au Pair Familie.

Wussten Sie übrigens, dass zahlreiche Menschen in und um Stuttgart wöchentlich eine Kiste vom Äkogemüsebauern beziehen. In der Kiste traditionelles Saisongemüse und die eine oder andere exotische Frucht oder das eine oder andere Glas mit Chutney, Eingemachtem und sonst verarbeiteten landwirtschaftlichen Produkten und auch einem Blatt aus dem Tintenstrahdrucker mit der Liste des Inhalts der Kiste und eine Kochrezept.

Der Äkobauer hat seinen Sitz in dem 30 Kilometer entfernten 1000-Seelendorf, beliefert neben den Wochenkistenabonennten, umliegende Gemüsehändler und ist auf dem Wochenmarkt in der nächstgelegenen Kreisstadt präsent.

Warum nicht einen weiteren Vertriebskanal erschließen

Sommerfrische in Apfelgruen TC-0080 H
Eine Website zum Wochenkistendienst

Auch ein Gemüsehändler kann von einer Website profitieren und so die Supermarktkäufer ein stückweit bedienen, in dem er z.B. via Website einen Bringdienst etabliert, bei dem man Wochenkisten bestellen kann. Diese Wochenkisten werden nach Ladenschluß in einer Runde mit dem Transit ausgeliefert und enthalten z.B. neben den Gemüse-Klassikern auch neue Produkte zum Testen und auf der Website können Kunden bei den textprodukten ihre Bewertung abgeben. So kann der Gemüsehändler z.B. Gemüse, das nicht rasch genug Verkauftwerden kann zu Chutneys, Dips und ähnlichem verarbeiten oder verarbeiten lassen, z.B. mit einem oder mehreren der regionional ansässigen Gastwirte, die eine dem Lebensmittelgesetz entsprechende, Küche vorweisen. Als Chutney im Glas ist das Gemüse dann noch einmal über Monate ein verkäuflicher Artikel und welches Chutney sich lohnt herzustellen, ermittelt man über die Wochenkisten. Zu den Wochenkisten kann man im Intrernet noch Verarbeitungstipps für das Gemüse ausgeben, Rezepte mit dem neuen Chutney oder Tipps wie man Gemüse einmachen kann.

Und schon hat man ein ganzes Geschäftsmodell, das

  1. den Kunden viel Spaß machen kann
  2. Service für Faule oder Gestresste bietet, die nicht in den Laden kommen
  3. dem Restaurant das die „LadenReste“ verarbeitet eine zusätzliche Einkommensquelle bietet
  4. Das Restaurant und den Gemüsehändler im Gespräch hält

Er kann ebenso einen regionalen Postdienst integrieren und so Touren attraktiver und effizienter gestalten, und bei der Gelegenheit via Postdienst seine Website bekannt machen, denn statt einer Briefmarke ist auf dem Umschlag sein Logo und seine Webadresse.

Nur weil traditionelle Geschäftsmodelle ohne Website auskommen, heißt das nicht, dass man nicht neue Geschäftsmodelle mit einer Website etablieren kann und versuchen kann, verlorengegangene Klientel dem scheinbar übermächtigen Konkurrent wieder abgejagt. Mit Templates und Editland wird der Versuch bezahlbar schließlich kann es nie Schaden in einem gewissen Rahmen, neue Wege zu testen und das Geschäft auszubauen.

BTW.: einen erfahrenen Partner in Sachen Marketing für landwirtschaftliche Produkte ist z.B. Kai Oliver Schleyerbach

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