PHP-Magazin: Eine Website ist kein Gemälde

tempa wrote this 14:51:

„Webseiten sind keine Gemälde.“ unter diesem Motto stellt Jens Grochtdreis von F-LOG-GE seinen Artikel im PHP-Magazin und hebt darauf ab, dass das Internet ein Textmedium ist, dem im Laufe der Zeit zusätzliche Feature hinzugefügt wurden, es aber dennoch und immer noch ein Textmedium ist, das über die unterschiedlichsten Ausgabe-Medien zum Nutzer gelangt.

Dinge wie Grafiken, Layout und Funktionen sind Addons und sind sparsam und eben zusätzliche Elemente einer Website. Eine Website ist ein logisch strukturiertes Dokument, das über HTML-Auszeichnungen den Texten für die Ausgabe die notwendigen Meta-Angaben hinzufügt.

„Websiten sind Texte, keine Gemälde. Deswegen ist die Grundlage für moderne Seiten ein Umdenken um Erstellungsprozess einer Webseite. Man sollte vom Inhalt, nicht von der Optik, der Präsentation her denken. [… es folgt eine Liste zu logischen Strukturen in bezug auf Tabelle und Listen, die man beachten solle …] Mit (X)HTML wird also ausgezeichnet, was etwas ist, nicht wie es aussehen soll.

Jenen uralten Standard soweit er als HTML/Text ausgeliefert wird und nicht als XML kann auch noch das älteste und einfachste Ausgabegerät und ist dieses noch so fehlerbehaftet, wohingegen die Präsentation im Ausgabegerät eine schier unendliche Variationsbreite besitzt und der Designer ob er will oder nicht sich dessen bewusst sein muss.

So weit so gut: d’accors.
Auch gehe ich konform mit dem 3-Schichtenmodell (Struktur, Design, Dynamik), allerdings endet es bei hier auch schon wieder sehr schnell, denn ich habe weder einen Absolutheitsanspruch, noch kann ich für jedes Medium, dem es einfällt HTML-Seiten zu ziehen und zu präsentieren, gerecht werden, noch will ich es überhaupt. Auch wenn das drei- bis vierzeilige Handy-Display Webseiten abrufen und anzeigen kann, so ist ein Text wie dieser mit allem Drum und Dran dafür nicht geeignet. Ich werde einen Teufel tun und für diese Nutzergruppe im Telegrammstil schreiben.

Bei der überwiegenden Mehrheit habe ich Rahmenbedingungen, die ich recht gut eingrenzen und für die ich ein entsprechend passendes Angebot stricken kann und sollte ich ein Angebot haben, die sich für Handys als prädestiniert erweist, so werde ich mit Freude auch für diese Gruppe ein entsprechend zugeschnittenes Angebot bereitstellen.

Ansonsten gebe ich die Verantwortung für die Präsentation auch gerne an die Browserhersteller ab, die gemeinsam mit den Displayherstellern gefordert sind nach nun bald 10 Jahren Internet damit anzufangen Farbmanagement einzusetzen, so dass TFT und Bildröhre nicht zu den aktuell untragbaren unterschieden führt und dass Drucker und Browser ebenfalls ein Farbmanagement-System einführen, das zumindest bei den Markenfarbpatronen zu einem Ergebnis führt, das man ungefähr in der Nähe von HSK, RAL und Pantone ansiedeln kann.

Dass ein eineindeutiges Maßsystem geschaffen wird, das definiert, was eine Rastereinheit ist, die in Bezug auf Lesefreundlichkeit und in Bezug auf Grafiken einen angemessenen Relationsrahmen beibehält.

Jedem User alle Einstellungen zu gestatten und von 800-3000er-Auflösung zu optimieren, ist schlicht nicht möglich. Ich bin nicht bereit von der Präsentation alles ab- und wegzustreichen, nur weil der User, der Browserhersteller und der Ausgabegerätehersteller zu keinem angemessenen Konsens kommen können.

Ich nehme Einschränkungen in den Designmöglichkeiten noch eine Weile in Kauf, aber irgendwann sollte man auch hier aus den Kinderschuhen herauskommen. Eine Präsentation ist eben nicht beliebig, ebenso wenig wie die Dynamik beliebig ist. Alle drei bilden eine Einheit und eine sehr große Nutzerzahl weiß diese Einheit zu schätzen und fordert diese auch ein und dann wird eine Website eben doch und auch ein Gemälde, ein Film, ein Radio, ein Nintendogame oder das Maschinensteuerungsgerät … eben eine Webpage mit Text, Bild, Struktur, Dynamik.

Denken von der Präsentation ist ebenso wichtig wie das denken von Strukturen und Inhalten.

Die Präsentation auszuklammern hieße eine Seite gut zu heißen, die einen Absatz in einer einzigen langen horizontalen Linie ausgibt oder je 10 Zeichen vertikal angeordnet und das kann niemand ernsthaft in Betracht ziehen. Spätestens, wenn man einen kurzen Text über 15.000 Zeichen auf diese Weise lesen will, wird man zurück zur Forderung der Präsentation kommen. Sie sind untrennbar mit einander verbunden.

Das Problem ist, dass der Webdesigner die Probleme der anderen immer mitkaufen will. So manches Problem darf man aber auch den anderen Teilnehmern des Internets überlassen.

2 Responses to “PHP-Magazin: Eine Website ist kein Gemälde”

  1. Jens Grochtdreis Says:

    Ich glaube, so weit sind wir gar nicht auseinander in unserer Einschätzung.
    Natürlich haben in erster Linie die Browserhersteller dafür zu sorgen, daß kein Quark rüberkommt. Daß die Realität leider anders ist, zeigt uns Microsoft. Der IE ist – so wie ich höre – auch auf dem PDA eine Katastrophe, weil er den Media-Typ für Handheld nicht untestützt (tut das irgendein mobiler Browser?).

    Ich fordere nur deshalb, vom Inhalt und nicht von der Präsentation her zu denken, weil sich so oft für Designer völlig neue Ideen ergeben, eine Seite aufzubauen. Ich habe allerdings in der Vergangenheit nur mit Printdesignern zu tun gehabt. Für die war das Internet identisch mit Flash nd Gezucke. Und ansonsten sollte ich immer den „Durchschuss“ korrigieren und sonstige Spielereien.

    Leider vergessen viele Designer, daß man es mit einem Dokument zu tun hat. Der Erstellungsprozess und auch die Aufnahme durch den Kunden, wird einfacher, wenn man nichgt denkt, man würde ein Plakat oder eine Broschüre ins Netz stellen.

    Daß das alles schön aussehen soll, finde ich unbedingt. Ich bin kein Informatiker, für den die Schönheit im Code liegt 🙂

  2. tempa Says:

    Ich kenne den Chinesisch-Dialog und manchmal frage ich mich, warum ich mir den Mund fusselig redete von Strukturen und Maschinen-Semantik, oder denken in der Beliebigkeit der Rahmenbedingungen beim Empfänger.

    Aber gerade bei dieser Beliebigkeit, fängt bei mir dann auch die Grenze an, denn ich weiß nicht wie ich ein 400 Pixel breites und 300 Pixel hohes Bild so verkleinern kann, dass es auf dem 160×160 Pixel PDA rechts oder links von weiteren 30 em Text noch Sinn macht.

    Ich kann also nur auf die Präsentation pfeifen und im PDA kommt eben nur schrott an, wie auch immer der aussehen mag, weil ich mich überhaupt nicht darum kümmere.

    Das ist eben etwas, das ich meine, auf je mehr Ausgabe-Geräte ich versuche Rücksicht zu nehmen um so mehr geht für alle verloren. Wer es allen recht machen will, macht es keinem recht.

    Aber ich habe schon ganz gut verstanden und ich denke wir sind wirklich nicht weit von einander entfernt.

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